Der instrumentalisierte Schrecken
Februar , 2010
Am 13. Februar 1945 flogen alliierte Bomber einen Angriff auf die Stadt Dresden. Die Niederlage Deutschlands in einem sinnlosen Krieg war deutlich absehbar, doch nahm der Schrecken kein Ende. Die militärisch nahezu bedeutungslose Stadt, die als Fluchtpunkt vieler Menschen aus den deutschen Ostgebieten diente, wurde weitestgehend vernichtet. Die Ziele waren keine Panzer- und Kampfverbände der Wehrmacht, sondern Zivilisten.
65 Jahre nach diesem schrecklichen Ereignis werden die Wunden jährlich neu aufgerissen. Die politisch bedeutungslose Rechte in Deutschland vermag es nicht, ihre Anhänger für tagespolitische Ereignisse in dem Umfang zu mobilisieren, wie es ihr aber gelingt, zehntausende Bombenopfer für ihre Zwecke zu missbrauchen. In Internetforen wird es zur „vaterländischen Pflicht“ erklärt, sich an einem Massenaufmarsch in Dresden zu beteiligen, um den Opfern dieser Angriffe zu gedenken, nur den „deutschen Opfern“ selbstverständlich.
Und genau dieses, von den Unterstützern des Aufmarsches als „Bombenholocaust“ titulierte Ereignis, ruft die antideutsche Linke auf den Plan, die nichts Besseres zu tun hat, als den Tod vieler unschuldiger Menschen zu feiern, und dies alles unter dem Motto „Dresden nazifrei“. Mit Parolen wie „Nie wieder Deutschland“, „Bomber-Harris come back“, und „No tears for Krauts“ blamieren sich tausende Linke und verhöhnen so die Kriegsopfer. Antimilitarismus, wie ihn die Linken verstehen, schaut also so aus, dass die unschuldigen, zivilen Opfer eines Krieges verhöhnt werden.
Das Gedenken an die Opfer wird offenbar vorgeschoben, um den Anhängern rechter Gruppierungen ein großes Jahresspektakel zu bieten. Dabei will ich aber niemanden absprechen, tatsächlich um die Opfer zu trauern, wenngleich ich aber die Frage stelle: Warum so? Warum mit Aufmärschen? Eine weitere Frage, die ich anfangs schon mal gestellt habe: Warum schafft es die Rechte, 10.000 Anhänger für einen Trauermarsch zu mobilisieren, dessen Konsens wieder in einem Themenfeld liegt, dass es Kritikern durchaus zu Recht ermöglicht, den Rechten den Vorwurf des Ewiggestrigen zu machen. Wo sind die 10.000 Anhänger, wenn es darum geht, für den Landtagseinzug einer rechten Partei zu werben – um dann aktiv an der politischen Willensbildung, auch im Sinne eines verantwortungsbewussten Umgangs mit der deutschen Geschichte, teilzunehmen? In den Medien präsentieren sich stattdessen wieder vermummte „freie Nationalisten“ mit schwarz-weiss-roten Fahnen und bieten den Medien genau das Bild, das dann auch bei den Bürgern ankommen wird: Ein Aufmarsch Ewiggestriger.
Soviel dazu. Auf die Linke will ich nicht weiter eingehen, da es mich mit Ekel erfüllt, wie die Opfer verhöhnt werden, und das alles um eines plumpes Zieles willen, nämlich den „Kampf gegen Rechts“ zu führen. Es interessiert mich auch nicht, wie Linke eine Aussage wie „Bomber Harris – do it again“ begründen; wer so was macht, ist in meinen Augen ein Extremist und von seinen Methoden her ein Faschist.
Von meiner Seite aus spreche ich niemanden ab, sich an dem Spektakel in der Dresdner Innenstadt beteiligen zu dürfen. Ich lasse mir aber auch nicht sagen, man müsse diesen Aufmarsch besuchen, um glaubhaft zu gedenken. Ab Sonntag werde ich für ein paar Tage aus privaten Gründen Dresden besuchen und auch einen Moment innehalten, um allen Opfern dieses Krieges gedenken, ohne Aufmärsche, Fahnen, Transparente und Banner – sondern im Stillen.
Mein Beileid gilt den Opfern des zweiten Weltkrieges sowie allen Zeitzeugen und Nachkommen, die bis heute noch unter den traumatischen Ereignissen leiden. Möge dies der letzte Krieg gewesen sein, der Europa erschüttert.
13.02.2010
Toralf Grau.


